Liebe und Sex

 

Gerade um wahre, treue und ehrliche Liebe wachsen und reifen zu lassen, wäre die Intimität des Sexualaktes in einer noch jungen Beziehung verfrüht. Für viele Zeitgenossen ist das heute völlig unverständlich: „In einer Beziehung“ ist man doch erst, wenn man auch miteinander geschlafen hat!

Ja und nein.

Tatsächlich ist die sexuelle Begegnung von Mann und Frau wesentlich für die Ehe. Sie ist Ausdruck jener verbindlichen, unbedingten und intimen Liebe, die bis zum Äußersten und bis ans Ende geht. Die katholische Kirche geht sogar so weit, dass eine Ehe erst durch den geschlechtlichen Vollzug in besonderer Weise ihre volle eheliche Wirklichkeit erhält.

Das Wort „Vollzug“ ist ein schöner Ausdruck dafür, dass die geschlechtliche Vereinigung nicht die Grundlage der Ehe ist, sondern vielmehr ihr Höhepunkt, ihre Vollendung und ihre Bestätigung. In der ehelichen Vereinigung bringen die Ehegatten ihre Liebe, Treue und gegenseitige Hingabe zum Ausdruck. Indem sie sich einander schenken, erneuern und vertiefen sie ihr Eheversprechen und ihre Liebe.

Die eheliche Liebe zwischen Mann und Frau kommt deshalb nicht ohne Sexualität aus. Liebe und Sexualität gehören hier zusammen: Liebe in der Sexualität und Sexualität in der Liebe. Gerade deshalb darf Sexualität niemals auf Egoismus, bloße Triebbefriedigung oder Konsum reduziert werden. Sie ist vielmehr Ausdruck gegenseitiger Liebe und Hingabe.

Das ist die eine Seite des Verhältnisses von Liebe und Sexualität: Sexualität gehört zur ehelichen Liebe von Mann und Frau dazu.

Aber – und das ist die andere Seite der Medaille – gerade deshalb gehört sie in die Ehe. Liebe braucht Verbindlichkeit, Ganzheitlichkeit und die Bereitschaft zur dauerhaften Hingabe. Das gilt in gleicher Weise für die geschlechtliche Liebe zwischen Mann und Frau.

Sexualität gehört zu den intimsten und persönlichsten Erfahrungen, die Menschen miteinander teilen können. Sie betrifft nicht nur den Körper, sondern auch Gefühle, Vertrauen und die eigene Verletzlichkeit. In der sexuellen Vereinigung geben wir uns einem anderen Menschen in besonderer Weise hin und machen uns ihm gegenüber schutzlos und verwundbar.

Gerade deshalb kann unverbindliche Sexualität ohne eine tragfähige Liebesbeziehung tiefe seelische Verletzungen hinterlassen. Wir sollten die Würde unseres eigenen Leibes und die Würde des anderen Menschen ernst nehmen. Sexualität braucht deshalb – wenn sie Ausdruck einer tiefen und umfassenden Liebe sein soll – Verbindlichkeit und die Bereitschaft zu dauerhafter Hingabe.

Aus dieser Sicht bleibt außerehelicher Geschlechtsverkehr hinter dem Anspruch zurück, den die christliche Vorstellung von Liebe und der Würde des menschlichen Leibes an die Sexualität stellt.

Besonders deutlich wird dies beim sogenannten „One-Night-Stand“. Hier findet sexuelle Intimität in einer Situation statt, die gerade durch ihre Unverbindlichkeit gekennzeichnet ist. Zwei Menschen teilen für eine Nacht das Intimste miteinander, ohne sich notwendigerweise auf eine gemeinsame Zukunft oder eine verbindliche Beziehung einzulassen.

Für manche Menschen mag eine solche Erfahrung ohne größere emotionale Folgen bleiben. Für andere kann sie jedoch Gefühle von Leere, Enttäuschung, Verletzung oder Ausgenutztwerden zurücklassen – insbesondere dann, wenn einer der Beteiligten die Begegnung mit anderen Erwartungen verbindet.

Sexualität und Liebe sollten deshalb nicht voneinander getrennt werden. Wo Sexualität Ausdruck echter Liebe, gegenseitiger Achtung und verbindlicher Hingabe ist, wird die Würde beider Menschen ernst genommen.

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