Wieder ist es Johannes Pauls Lehre, die uns die These Benedikts erhellt. Der bräutliche Vergleich ist „nach zwei Seiten hin gültig“, schrieb Johannes Paul. Er erlaubt uns, „das Wesen der Beziehung zwischen Christus und der Kirche besser zu begreifen“ und zugleich „tiefer in das Wesen der Ehe einzudringen“. In gewissem Sinn leitet sich „diese Ehe in ihrem tiefsten Wesen ……… aus der bräutlichen Liebe Christi zur Kirche her. Die Ehe hingegen wird „zum sichtbaren Zeichen des ewigen göttlichen Mysteriums…. nach dem Bild der Kirche, die mit Christus verbunden ist. So führt uns der Brief an die Epheser an die Grundlagen des sakramentalen Wesens der Ehe (TDL, 18.8.1982, Nr.4). Die Ehe ist ein Sakrament, dass die Liebe Christi zur Kirche sichtbar macht. Zugleich ist die Liebe Christi zur Kirche die letzte Wirklichkeit, welche der Ehe ihren Sinn und ihre Orientierung gibt. Beide verweisen aufeinander.
In dieser Einladung an die Eheleute, an der Liebe Christi zur Kirche teilzunehmen, entdecken wir, wie Benedikt sagt, dass „die Art, wie Gott liebt, zum Maßstab menschlicher Liebe“ wird. Was für eine hohe Berufung! Niemand kann eine solche Liebe allein aus eigener Kraft leben. Doch wir sind nicht allein: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen, durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5).
Allein in und durch die Kraft des Heiligen Geistes sind wir fähig, den Eros in seiner vollständigen und schönsten Dimension zu leben. Erst durch diese Sichtweise erhält die Sexuallehre der Kirche ihren Sinn. Sie ist keine prüde Sammlung von Verboten, sondern ein Ruf, unsere eigene „Großartigkeit“, unsere gottähnliche Würde zu erkennen. Sie lädt uns ein, jene Liebe zu leben, für die wir geschaffen sind: die Einheit von Eros und Agape, die zur Fülle echter Freude führt.
Wenn der Geschlechtsverkehr die Sprache der Agape ausdrücken soll, dann soll er auch ein Ausdruck jener freiwilligen, bedingungslosen, treuen und fruchtbaren Hingabe sein, die wir oben erwähnt haben. Mit anderen Worten: Wenn der sexuelle Akt ein aufrichtiger Ausdruck der Eros-Agape-Liebe sein soll, muss er ein Ausdruck des Eheversprechens selbst sein. In der sexuellen Vereinigung wird die eheliche Liebe „Fleisch“ oder zumindest ist das ihre Bestimmung. Hier sollen die Worte des Eheversprechens „Fleisch“ werden. Letztlich münden alle Fragen der Sexualmoral in eine einzige entscheidende Frage: Geschieht hier eine Teilnahme an Gottes freiwilliger, bedingungsloser, treuer und fruchtbarer Liebe oder nicht?
Wo dies nicht der Fall ist, bleibt der Mensch unerfüllt. Denn nichts, was unterhalb dieser Wahrheit bleibt, kann die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens stillen oder jenes bleibende Glück schenken, nach dem wir uns sehnen.

