Sind zur Liebe drei nötig?

 

Der Liebende und der Geliebte sind auf dieser Erde nicht nur aufeinander bezogen, sondern zugleich auf ein Drittes, das über ihnen steht: ein Ideal, ein Gut, das sie verbindet und übersteigt. Wären wir vollkommen, genügte uns die Liebe zu uns selbst; jede Hinwendung zu einem Anderen wäre überflüssig. Vollkommene Selbstgenügsamkeit schlösse jedes Verlangen nach etwas außerhalb von uns aus.

Liebe jedoch beginnt mit der Sehnsucht nach dem Guten. Gott allein ist gut in sich selbst. Er besitzt das volle, unendliche Sein und ist daher auf nichts außerhalb seiner selbst angewiesen. Der Mensch hingegen ist ein Geschöpf mit begrenztem Sein. Seine Geschöpflichkeit zeigt sich vor allem in seiner Abhängigkeit: Alles, was er ist und hat, ist ihm gegeben.

Gerade diese Unvollkommenheit trägt ein ständiges Streben in sich – nach dem, was fehlt, oder nach der Vollendung dessen, was bereits begonnen ist. Der Wunsch nach Besitz, nach Gemeinschaft, nach Vereinigung ist daher kein Zufall, sondern Ausdruck der inneren Struktur des Menschen. Er hofft, durch Teilhabe und Aneignung seine Person zu entfalten und seine Existenz zu erweitern.

Das menschliche Herz würde niemals nach Einheit verlangen – sei es in Freundschaft, Gemeinschaft oder im Geschlechtlichen –, gäbe es nicht dieses tiefe Empfinden der eigenen Unvollständigkeit, die letztlich nur Gott zu erfüllen vermag. Die erfahrene Leere treibt den Menschen an, über sich hinauszugehen, sich zu binden, sich hinzugeben, bis er eins wird mit dem, was er liebt.

Da der Mensch sich dem angleicht, was er liebt, ist die Wahl des Liebesgegenstandes von entscheidender Bedeutung. Einheit mit Gott bedeutet daher notwendig unvergängliche Liebe. Eine Liebe hingegen, die keine höhere Bestimmung kennt als das Fleisch, wird unweigerlich dessen Vergänglichkeit teilen.

Die sexuelle Liebe schafft zwischen Mann und Frau eine Einheit, die weit über soziale, rechtliche oder politische Bindungen hinausgeht. Sie berührt den Kern der Person. Doch ohne Gott als Fundament, als Mitte und als Ziel bleiben auch die innigsten Liebesbeziehungen letztlich auf tönernen Füßen stehen.

So zeigt sich: Zur wahren Liebe gehören nicht nur zwei. Sie verlangt nach dem Dritten – nach Gott –, der unsere Liebe trägt, reinigt und vollendet.

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